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Konzept

40.000
Ein Museum der Neugier

Kleinheit ist ein besonderes Maß. Es impliziert bezogen auf Kunst Transportabilität, Nähe zum menschlichen Körper, das Handgemachte oder zumindest maßstäblich Greifbare und eine Modellhaftigkeit, die Verhältnisse thematisiert. Talismane, Totems, Fetische, Spielzeuge, Horkruxe oder Attribute, Kleinplastiken wurden und werden sehr häufig nahe am Menschen benutzt oder im Wohnumfeld aufgestellt. Es entsteht so eine für Kunstwerke heute ungewöhnliche Nähe zwischen Objekt und Besitzer bzw. Betrachter, die sich auf den Bedeutungsgehalt auswirkt. Das Archetypische bzw. Prototypische liegt in dieser Maßstäblichkeit. Sie erfordert eine Hinwendung, ein genaues Hinsehen, oder erzwingt dieses sogar.

Die Idee des „Close Up“ macht dabei einen besonderen Sinn, weil aus der Nähe von Fellbach die ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheit stammen, die vor rund 40.000 Jahren entstandenen kleinen eiszeitlichen Skulpturen von der Schwäbischen Alb. Es ist jedoch keineswegs ausgemacht, dass die Kleinskulpturen dort auch entstanden sind. Auf jeden Fall liegt damit aber in dieser Gegend ein Schlüssel zum Verständnis von Kunst. Nach der Entwicklung des Homo sapiens in Afrika und seit etwa 100.000 Jahren „out of Africa“ treffen um 40.000 vor unserer Zeit die ersten anatomisch modernen Menschen im heutigen Europa ein. Und heutige Theorien gehen davon aus, dass nicht der Klimawandel allein Motivationsschub für die Wanderungen war, sondern technologische und kulturelle Veränderungen ebenso motivierend gewesen sein dürften. Ausgehend von welchen Orten und Kontinenten sich auf diesem Weg Kunst zu entwickeln beginnt, kann heute erst andeutungsweise anhand weniger Funde rekonstruiert werden. Kunst ist offenbar eine menschliche Grundkonstante, die sich räumlich parallel entwickelt und den Menschen begleitet. Nicht zuletzt wird das z. B. durch Funde ebenfalls ca. 40.000 Jahre alter eiszeitlicher Höhlenmalerei im heutigen Indonesien belegt.

Aspekte von Dreidimensionalität und Polarität werden heute auch in der Kunst durch eine Multidimensionalität, Nichtlinearität und Multipolarität erweitert. Und dennoch ist die Frage des Menschlichen, des Menschseins damit nicht verschwunden. Im Gegenteil: die Zeichen der Zeit stehen auf Diversität und Hegemonie, auf Masse und Individuum, auf Kanon und Vielfalt, auf Idealismus und Materialismus, auf Animation und Realismus, auf Technik und Natur, auf Irrtum und Wahrheit, Utopie und Dystopie. Alles gleichzeitig, parallel, verknüpft und im Glauben an oder Hass auf Vielfalt. Kaum verwunderlich, dass ideologisch nutzbare Metaphern wie die der „Heimat“ alltagskulturelle Urstände feiern. Dass auch die Kunstwelt in diesem Zusammenhang die „Folklore“ wiederentdeckt, verwundert nicht, denn sie zeigt einen Aspekt der Identitätsdiskussion.
Die aus dieser Gemengelage abgeleitete Idee von der Kunst als einem Abbild und Ausdruck der Neugier und des Antriebs, wie er im Untertitel des Projektes „Museum der Neugier“ ausgedrückt wird, soll ein Leitfaden der Triennale 2019 sein. Die Ausstellung widmet sich der Herleitung und der Zukunftsperspektive heutiger Kunst als Bedeutungsträger für den Menschen. Historische Objekte, teils als Abgüsse und Kopien, werden dabei integriert. Künstler und Künstlerinnen als ExpertInnen für ein anthropologisches Movens, das Erstellen eines Werkes im Zusammenspiel von Gedächtnis und Hand anzuerkennen, trotz und unter Einbezug heutiger Überlegungen zur Automatisation, Digitalisierung, Post-Humanisierung „Embodied Mind“ und „Outer Space“, soll exemplarisch thematisiert werden.

Weitere Informationen:
Stadt Fellbach – Kulturamt, Marktplatz 1, 70734 Fellbach, Telefon 0711/5851-364,
E-Mail: kulturamt@fellbach.de, www.triennale.de